Von Ines Kießling, Kanu-Guide bei out active
Eine unfreiwillige Kenterung, türkisblaues Wasser und ein Kamerateam mittendrin: Ich durfte für die WDR-Reisesendung „Wunderschön“ mit Judith Rakers auf dem Tagliamento in Friaul unterwegs sein. Ein besonderer Drehtag, der anders anfing als geplant und mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Die Wunderschön-Folge über Friaul ist online
Der Drehtag mit Judith Rakers war eine besondere Erfahrung: ein großes Filmteam, spannende Einblicke hinter die Kulissen, gute Gespräche und natürlich unsere unfreiwillige Kenterung gleich zu Beginn.
Am 25. Oktober 2026 wurde die Folge „Friaul – Italiens schönste Überraschung“ im WDR ausgestrahlt. Inzwischen ist die komplette Sendung auch auf YouTube zu sehen.
Ab Minute 46 geht es mit mir als Kanu-Guide auf den Tagliamento und die Fella. Wenn du wissen möchtest, wie unser Drehtag ablief und was von unserem kleinen Badeabenteuer im Film gelandet ist, schau gern rein!
Und wer nach dem Film selbst Lust bekommt, den Tagliamento vom Kanu aus zu erleben: Ich begleite für out active & Toros Outdoors geführte Kanutouren auf dem Tagliamento.
Der Tagliamento ist wunderschön, wild und anspruchsvoll. Deshalb planen wir unsere Touren immer mit Blick auf Wasserstand, Streckenbedingungen und die Erfahrung der Teilnehmenden.
Ich freue mich, wenn ich euch diesen besonderen Fluss einmal persönlich vom Kanu aus zeigen darf – mit Respekt vor der Natur und allem, was den Tagliamento so wild und schön macht.
Wie ich als Kanu-Guide Teil von „Wunderschön“ wurde
Einige Monate vor der Tour klingelte mein Telefon. Am anderen Ende war Andreas, der Regisseur einer neuen Folge von „Wunderschön“. Er war auf der Suche nach einem Kanu-Guide für die geplante Sendung über Friaul.
Im Frühjahr trafen wir uns bei mir zu Hause. Ich erzählte ihm vom Tagliamento, von den unterschiedlichen Flussabschnitten und davon, was diesen Fluss so besonders macht. Eigentlich hatte ich ihm auch Claudio empfohlen, unseren italienischen Kooperationspartner vor Ort, der den Fluss bestens kennt.
Andreas war aber besonders von der Idee begeistert, dass eine Frau als Kanu-Guide auf diesem Wildfluss unterwegs ist. Und so kam es, dass ich selbst Teil der Produktion werden sollte.
Ich hatte ohnehin geplant, nach meiner eigenen Tagliamento-Tour noch eine Woche Urlaub in Friaul zu machen. Die Landschaft dort begeistert mich jedes Mal aufs Neue. Also blieb ich für den Drehtag noch vor Ort.
Ein großes Filmteam auf einem wilden Fluss
Wer denkt, man steigt für eine Fernsehsendung einfach mit einer Moderatorin ins Kanu und fährt ein bisschen den Fluss hinunter, unterschätzt den Aufwand einer solchen Produktion.
Neben Judith Rakers waren zwei Kameramänner, ein Tonmann, die Maskenbildnerin und natürlich Andreas als Regisseur dabei. Dazu kamen Boote, Guides und die gesamte Logistik, die es braucht, um ein Kamerateam sicher auf einem Fluss zu begleiten.
Der Wasserstand war ziemlich niedrig, deshalb mussten wir die Strecken sorgfältig auswählen. Oben an der Fella, die in den Tagliamento mündet, gibt es wunderschöne Abschnitte zwischen Bergen, Felsen und weißen Kiesbänken. Gleichzeitig ist das Wasser dort stellenweise sportlich, mit Strömung und kleinen Schwällen. Für ungeübte Paddler ist das nicht einfach.
Weiter flussabwärts wollten wir zeigen, wie sich der Tagliamento öffnet und sein Flussbett immer breiter wird. Dort verzweigt sich der Fluss über eine beeindruckende Landschaft mit Kiesbänken und zahlreichen Flussarmen. Weil wir uns in einem sensiblen Naturschutzgebiet bewegten, mussten wir auch bei den geplanten Aufnahmen genau schauen, was möglich war.
Zum Glück konnten wir Claudio und sein Team mit ins Boot holen – im wahrsten Sinne des Wortes. So hatten wir genügend Boote und erfahrene Guides, um die verschiedenen Abschnitte gemeinsam mit der Produktion zu befahren.
Und dann kenterten Judith Rakers und ich
Am Drehtag selbst hatten wir perfektes Wetter: Sonne, blauer Himmel und beste Bedingungen für die Aufnahmen. Wir trafen uns in Venzone, wo nach und nach das gesamte Team eintrudelte. Auch Claudio kam mit seinen Kanus und weiteren Guides dazu.
Claudio hatte noch italienische Mitpaddler organisiert, denn die Produktion wollte auch Menschen aus der Region zeigen. Nach einer kurzen Paddel-Einführung ging es los. Während Claudio seine Gruppe vorbereitete, erklärte ich Judith die Grundlagen und machte sie mit dem Kanu vertraut.
Ich fahre normalerweise viel Solo-Kanu. Mit Judith saß ich diesmal im Tandem, also zu zweit in einem Boot. Das war für mich durchaus eine Umstellung. Judith hatte wenig Kanuerfahrung, und auch das Boot war für mich ungewohnt. Außerdem saß ich hinten, obwohl ich etwas leichter war als sie – beim Steuern auf bewegtem Wasser nicht unbedingt die einfachste Kombination.
Schon auf den ersten Metern wurde klar: Die Fella meint es ernst.
Wir waren gerade dabei, uns aufeinander einzuspielen, als ich Judith auf einen kleinen Schwall vor uns hinwies. Sie fand die Stelle spannend und wollte unbedingt, dass das Kamerateam uns dabei filmt. Ich war mir nicht ganz sicher, ob wir das so hinbekommen würden. Schließlich waren die Kameras noch ein gutes Stück hinter uns.
Ich beschloss, uns erst einmal an einer Kiesbank anzulegen. Auf diesem Fluss gibt es wenig gemütliche Stellen, an denen man einfach aus der Strömung fahren und in Ruhe anhalten kann. Also steuerte ich das Kanu vorsichtig Richtung Ufer.
Und dann passierte es.
Ich wollte aussteigen, vergaß aber, Judith Bescheid zu sagen. Als ich mich zur Seite lehnte, um aus dem Boot zu kommen, lehnte sie sich mit. Und schon waren wir gekentert.
Judith landete komplett im Wasser, während ich zumindest noch mit den Füßen Halt hatte. Sie hatte sich ordentlich erschreckt, und bei den Wassertemperaturen war das natürlich kein Vergnügen. Wir mussten uns erst einmal sortieren und schauen, dass alles wieder an seinen Platz kam.
Die Maskenbildnerin hätte in diesem Moment wahrscheinlich am liebsten die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Das Make-up war dahin, und unsere Funkmikrofone hatten ebenfalls Wasser abbekommen. Judiths Mikro funktionierte erst einmal nicht mehr. Zum Glück hatte der Tonmann Ersatz dabei.
Die Kameramänner fanden die Situation übrigens ziemlich gut. Sie waren begeistert und meinten sinngemäß: „Ihr habt’s drauf!“ Na ja – ob das genau das war, was ich mir als Kanu-Guide für den Start einer Fernsehproduktion vorgestellt hatte, sei dahingestellt.
Wir konnten später alle darüber lachen. Aber in dem Moment dachte ich schon kurz: Na toll, da kentert der Kanu-Guide gleich zu Beginn mit der Moderatorin.
Zwischen Wildwasser, Felsen und einem alten Bunker
Nach diesem turbulenten Auftakt ging die eigentliche Tour erst richtig los. Wir paddelten durch die wunderschöne Landschaft der Fella: türkisblaues Wasser, helle Kiesbänke, beeindruckende Felsen und die Berge ringsum.
Ganz ruhig blieb es allerdings nicht. An einer scharfen Kurve kamen wir den Felsen näher, als mir lieb war. Auch ein weiteres Boot mit einem Guide und Kamerateam hatte an dieser Stelle ordentlich zu tun. Aber wir kamen alle durch.
Unterwegs machten wir Halt an einem alten Bunker aus dem Ersten Weltkrieg, der mitten im Flussgebiet steht. Claudio erzählte uns etwas über die Geschichte des Bauwerks, und wir konnten einen Blick hineinwerfen. Solche Orte machen für mich den Reiz einer Tour zusätzlich aus: Man erlebt nicht nur die Natur vom Wasser aus, sondern entdeckt auch Spuren der Geschichte.
Mit der Zeit wurde das Wasser ruhiger. Wir konnten entspannter paddeln, die Landschaft genießen und schließlich die Boote aus dem Wasser holen. Danach standen noch Interviews und weitere Aufnahmen auf dem Programm. Mit einem ganzen Kamerateam dauert eben auch das Ende einer Etappe etwas länger als bei einer normalen Kanutour.
Abendlicht, Lagerfeuer und eine andere Seite des Tagliamento
Anschließend ging es mit Kleinbussen weiter flussabwärts. Claudio hatte eine kleine Stärkung vorbereitet: Wir machten gemeinsam Feuer, grillten etwas und aßen Melone, bevor es für weitere Aufnahmen wieder aufs Wasser ging.
Dieser Abschnitt zeigte noch einmal eine ganz andere Seite des Tagliamento. Während wir oben an der Fella zwischen Bergen und Felsen unterwegs gewesen waren, wurde der Fluss hier deutlich breiter und ruhiger. Er verteilte sich auf verschiedene Arme, dazwischen lagen helle Kiesbänke, und die Landschaft öffnete sich immer weiter.
Besonders schön fand ich, dass Claudio ebenfalls mit im Kanu saß – diesmal gemeinsam mit einem Kameramann. So konnten wir uns beim Filmen und bei den Gesprächen abwechseln. Es ging nicht nur um mich und Judith, sondern auch um Claudio und seine Perspektive als lokaler Guide. Genau das fand ich passend, denn der Tagliamento ist schließlich auch sein Zuhause.
Das Abendlicht wurde immer schöner. Wir paddelten durch die weite Landschaft, die Berge spiegelten sich im Wasser, und die Stimmung wurde zunehmend entspannter. Trotz der Arbeit, der vielen Abläufe und der ganzen Technik war das ein Moment, in dem wir alle einfach den Fluss genießen konnten.
Für mich war das einer der schönsten Teile des Tages.
Judith Rakers und ich: zwei unterschiedliche Wege mit Gemeinsamkeiten
Zwischen den Aufnahmen blieb auch Zeit für Gespräche. Judith war eine sehr angenehme Gesprächspartnerin, und wir stellten fest, dass wir beruflich einige ähnliche Entscheidungen getroffen hatten.
Judith hatte als Nachrichtensprecherin bei der Tagesschau gearbeitet und sich irgendwann entschieden, einen anderen Weg einzuschlagen – einen, der sich für sie persönlicher und stimmiger anfühlte. Heute lebt sie ländlicher, mit einem großen Garten und Pferden.
Auch ich habe irgendwann meine Arbeit in einer Eventagentur hinter mir gelassen und mich für einen Weg entschieden, der mehr zu mir passt. Bei out active arbeite ich als Erlebnispädagogin und begleite Gruppen in der Natur. Daneben bin ich in der Teamentwicklung tätig. Finanziell war das nicht unbedingt der bequemere Weg, aber einer, der mir mehr Sinn und Lebensfreude gibt.
Auch mein Lebensmittelpunkt hat sich verändert: Statt in der Nähe von Frankfurt lebe ich heute bei Lindau am Bodensee, auf einem Hof außerhalb der Stadt.
Es war schön, diese Gemeinsamkeiten zu entdecken und darüber zu sprechen, wie unterschiedlich Lebenswege verlaufen können – und dass man manchmal Entscheidungen treffen muss, die sich nicht nur auf dem Papier gut anhören, sondern sich auch richtig anfühlen.
Warum mir der Tagliamento so am Herzen liegt
Als der Drehtag vorbei war, musste das Team schon wieder an die nächsten Aufnahmen denken. Für Judith standen am folgenden Morgen Dreharbeiten mit Pferden an, bevor sie weiterreiste. Auch bei mir wartete bereits der nächste Termin: eine Teamentwicklung in Stuttgart. Also machte ich mich abends auf den Weg Richtung Deutschland.
Trotzdem blieb der Tag noch lange in meinem Kopf. Wir haben viel gelacht – vor allem über unsere unfreiwillige erste gemeinsame Badeeinlage. Gleichzeitig war es schön zu erleben, wie begeistert das gesamte Produktionsteam vom Tagliamento war.
Als ich später noch einmal mit Andreas telefonierte, während er die Sendung schnitt, erzählte er mir, dass besonders schöne Szenen entstanden seien. Der Tagliamento sei für ihn eines der Highlights der ganzen Produktion geworden und habe einen entsprechend großen Platz in der Folge bekommen. Das hat mich natürlich gefreut.
Denn genau das ist mir wichtig: zu zeigen, was für ein besonderer Fluss der Tagliamento ist.
Er gehört zu den letzten großen Flusslandschaften der Alpen, die sich noch weitgehend frei entfalten können. Statt durchgehend in ein festes Flussbett gezwängt zu sein, verzweigt er sich über breite Kiesflächen, verändert seinen Lauf und schafft immer wieder neue Lebensräume. Diese Landschaft ist wild, beeindruckend und wunderschön.
Aber sie ist auch empfindlich – und der Fluss ist nicht zu unterschätzen.
Je nach Wasserstand und Wetter kann der Tagliamento ganz unterschiedlich aussehen. Nach Regen kann sich die Strömung deutlich verändern. Baumstämme und andere Hindernisse können im Fluss liegen oder mitgeführt werden. Auch vermeintlich einfache Abschnitte können anspruchsvoll werden. Ich habe schon Menschen erlebt, die eine Mehrtagestour unterschätzt und dabei ihr Boot verloren haben.
Deshalb ist der Tagliamento kein Fluss, auf den man ohne entsprechende Erfahrung und Vorbereitung einfach lospaddeln sollte. Es braucht Kenntnisse über Strömung, Wasserstand und mögliche Gefahren – und vor allem eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten. Welche Strecke geeignet ist, muss immer anhand der aktuellen Bedingungen geprüft werden.
Ich wünsche mir, dass wir diese besondere Flusslandschaft erleben und mit anderen teilen können, ohne dabei zu vergessen, wie wertvoll und schützenswert sie ist.
Die Wunderschön-Folge über Friaul in der Mediathek
Der Drehtag mit Judith Rakers war für mich eine besondere Erfahrung: ein großes Filmteam, spannende Einblicke hinter die Kulissen, gute Gespräche und natürlich unsere legendäre Kenterung gleich zu Beginn.
Die Folge „Friaul – Italiens schönste Überraschung“ wurde am 25. Oktober 2026 im WDR ausgestrahlt. Ich freue mich, dass der Tagliamento darin einen so schönen Platz bekommen hat und Zuschauerinnen und Zuschauer einen Eindruck von dieser besonderen Flusslandschaft erhalten.
Hier kannst du die Folge „Wunderschön – Friaul: Italiens schönste Überraschung“ in der ARD-Mediathek ansehen (ab Min. 46 mit mir).
Und wer nach der Sendung selbst Lust bekommt, den Tagliamento vom Kanu aus zu erleben, sollte sich vorher gut informieren und die Tour nicht unterschätzen.
Gemeinsam mit unseren Partnern planen wir unsere Kanutouren auf dem Tagliamento so, dass Strecke, Wasserstand und Voraussetzungen zusammenpassen.
Ich freue mich, wenn wir euch diese besondere Landschaft zeigen dürfen – mit Respekt vor dem Fluss und allem, was ihn so wild und schön macht.
Lust, mit mir draußen unterwegs zu sein?
Der Drehtag mit Judith Rakers am Tagliamento war für mich ein ganz besonderes Erlebnis. Was mich aber nicht nur vor der Kamera begeistert, ist die Zeit draußen mit Menschen: gemeinsam auf dem Fluss unterwegs sein, die Natur entdecken, zur Ruhe kommen oder neue Perspektiven gewinnen.
Bei out active begleite ich Menschen als Erlebnispädagogin, Kanu-Guide und Naturcoach – auf dem Wasser, beim Wandern und in der persönlichen Entwicklung. Vielleicht ist ja auch für dich das passende Outdoor-Erlebnis dabei.
Auf dem Fluss unterwegs
Kanuwandern auf dem Tagliamento – entdecke mit mir einen der letzten naturbelassenen Flüsse der Alpen und erlebe die besondere Landschaft Friauls vom Kanu aus.
- Kanuwandern & Coaching in Frankreich – finde Abstand vom Alltag, entdecke deine Werte und Ressourcen und gewinne beim Paddeln in der Natur neue Perspektiven für deinen Weg.
Natur erleben und neue Kraft schöpfen
Resilienz & Natur – Deine Auszeit auf der Schwäbischen Alb – gönn dir eine bewusste Pause, entdecke deine Kraftquellen und nimm neue Impulse für deinen Alltag mit.
Yoga & Soft-Wandern auf der Schwäbischen Alb – eine wohltuende Kombination aus sanfter Bewegung, Yoga und Natur.
Yoga & Wandern auf der Schwäbischen Alb – komm in Bewegung, genieße die Landschaft und verbinde Wandern mit Yoga.
Bewegung auf dem Wasser und an Land verbinden
Yoga & Kanu – verbinde das Erlebnis auf dem Wasser mit Yoga und bewussten Momenten in der Natur.
Vielleicht sehen wir uns ja bald draußen – auf dem Fluss, auf einem Wanderweg oder bei einer gemeinsamen Auszeit in der Natur.
Ich freue mich darauf!
Ines Kießling
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