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Ein Abenteuerbericht: Klassenfahrt mit dem Kanu in Frankreich in der Wildnis

Kanuwandern mit Schulklassen - was macht das für uns so besonders?

Vorfreude und der Beginn unseres Abenteuers

Wir stehen an der Kiesbank, das Boot voll bepackt und bereit zum Ablegen. Mit den ersten Paddelschlägen breitet sich ein Gefühl von Freiheit und Ruhe aus. Ein letzter Blick auf die alte große Bogenbrücke von Moulins, und die Strömung trägt uns vorbei an französischen Häusern. Schon bald sind wir umgeben von der weiten Flusslandschaft des Alliers, gesäumt von großen Bäumen und Schilf. Die späte Nachmittagssonne taucht die Landschaft in ein goldenes Licht, und ich freue mich auf sieben Tage in der Fluss-Wildnis.

In vier Tagen werden wir den nächsten Supermarkt ansteuern, doch ansonsten bleiben wir der Zivilisation fern. Die ersten kahlen Baumkronen umgestürzter Bäume ragen aus dem Wasser, und ich bin voller Vorfreude, die weitverzweigten sandigen Flussarme und die Dschungel-Landschaft der kleinen Seitenarme zu erkunden. Unsere erste Kiesbank, auf der wir unsere Zelte aufschlagen werden, kommt in Sicht. Wir landen an, bauen unser Lager auf, sammeln Feuerholz und genießen ein erfrischendes Bad in der Abendsonne. Der erste Abend mit Kochen auf dem Lagerfeuer und die Nacht unter dem großen Sternendach folgen.

 

Herausforderungen und Wachstum

Kanutouren mit Schulklassen auf den wilden Flüssen Allier und Loire in Frankreich sind das Highlight meiner Saison. Die ersten Tage sind oft eine Herausforderung für die Teilnehmenden, doch sie meistern sie schnell und gewinnen an Selbstständigkeit, Selbstwert und Gemeinschaftsgefühl. Meist begegnen wir nur wenigen Menschen, die Klasse ist auf sich gestellt, und die Abenteuer können wir nur gemeinsam lösen. Dabei geben wir Hilfestellungen, lassen die Klasse aber die Lösungsansätze selbstständig erarbeiten und durchführen. Mit sieben bis neun Tagen Zeit macht das Arbeiten mit den Schulklassen hier besonders Spaß, vor allem da die Natur ein großer Lehrmeister ist.

 

Verantwortung übernehmen

Nach der ersten aufregenden Nacht lassen wir Klasse sich in Gruppen einteilen, die verschiedene Verantwortungen übernehmen: Die Navigationstruppe die mit uns immer abends auf der Karte eincheckt und allen alle Informationen über die Tour geben kann: wie viel sind wir heute gepaddelt, was haben wir noch vor uns, wann kommen Wasserstellen etc. Die Wassertruppe, die unser kostbares Gut im Blick behält. Die Lebensmitteltruppen, die den Überblick über die Lebensmittel-Packtonnen und deren Inhalt hat. Die Truppe, die jeden Abend für das Kochfeuer zuständig ist. Daneben ist jeden Tag eine andere Gruppe mit Unterstützung der Lehrer*innen für das Kochen und Bereiten aller Mahlzeiten für alle Teilnehmenden zuständig. Nur gemeinsame können wir unsere Kanu-Expedition meistern.

 

Abenteuer & Klassengemeinschaft

Jeden Tag gleiten wir mit den Kanus durch die Natur, erleben Abenteuer und haben auch Pausen mit Badespaß. Am späten Nachmittag hat die Gruppe Zeit, die Natur und den Fluss zu erkunden, Sonnenuntergänge zu genießen, Lagerstätten zu bauen, Volleyball zu spielen oder einfach nur am Flussrand zu sitzen und Gespräche zu führen. Am Abend gibt es Reflexionsrunden, wenn es Themen zu bearbeiten gibt. Beliebt sind abendliche Lobrunden, in denen Held*innen des Tages von den Schüler*innen ausgerufen werden.

 

Der dritte Tag: Ein Höhepunkt

Spannend für alle wird es meist am dritten Tag. Nachdem wir das charmante Museumsdorf Apremont mit seinen hübschen Gärten und Häusern besucht haben, wartet ein echtes Abenteuer auf uns. Wir müssen ein Wehr überwinden, das von dem Kanus einzeln angefahren werden muss. Nach dem sicheren Anlanden bauen wir nach und nach eine Menschenkette auf, um Gepäcks und Kanus zu transportieren.

Kurz danach begegnen wir kleinen Stufen unter einer Eisenbahnbrücke. Hier stehen wir Kanuguides im Wasser, um Anweisungen zu geben, den einen oder anderen Schubs zu geben oder wenn nötig bei Kenterungen zu helfen. Dieses Manöver erfordert Teamarbeit und Konzentration, aber die Gruppe meistert es meist mit Bravour.

Das nächste Hindernis ist eine sehr hohe Staustufe, die glücklicherweise eine Fischtreppe mit Natur-Pools hat. Über diese Staustufe führt ein beeindruckendes Aquädukt, über das Hausboote fahren. In den darunter liegenden Pools mit spannenden Strömungen verteilen wir die Gruppe und manövrieren die Kanus mit Gepäck sicher an den unteren Sandstrand.

Dieses Hindernis ist besonders herausfordernd und kann nur mit den helfenden Händen aller Teilnehmenden gemeistert werden. Es ist nicht ungewöhnlich, dass wir nach und nach ein kleines Publikum am Strand oder auf der Brücke versammeln, das uns nach getaner Arbeit mit Applaus belohnt. Diese Momente der Zusammenarbeit und der gemeinschaftlichen Erfolge machen diese Aktionen oft zum Highlight unserer Tour.

 

Ein unvergessliches Erlebnis

Jede Tour auf dem Allier und der Loire ist für mich etwas Besonderes. Den meisten Teilnehmenden bleibt sie als einmaliges Erlebnis in Erinnerung. Auch skeptische und ängstliche Schüler*innen blicken am Ende stolz und begeistert auf das Abenteuer zurück. Manchmal bedauern diese sogar, dass die Tour schon vorbei ist, freuen sich aber auch auf ein Badezimmer, ein richtiges Bett, einen vollen Kühlschrank und einen Wasserhahn, aus dem immer Wasser kommt.

 

Erlebnispädagogische Flusswanderung auf Allier & Loire mit Schulklassen sind jedes Jahr immer wieder ein besonders Erlebnis auch für für mich: Badespaß, der Natur nahe sein und diese als Lehrmeister einsetzen, unvergessliche Lagerfeuerabende, Gemeinschaft erleben.

Bald geht es wieder los. Ich kann es kaum erwarten.

 

Ein Bericht von Ines Kießling

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